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  • Mirko

Einmal ins Baltikum und zurueck



Es ist Wiedermal soweit, Urlaubszeit.


Dieses Jahr soll es zusammen mit Freunden quer durch Polen in die Masuren und weiter ins Baltikum gehen. Es ist Samstag der 24.06 und die Reise beginnt. Es sei angemerkt das ich bereits eine Woche zu hause bin und Man'i in aller ruhe Reisefertig gemacht habe. Als erstes führt uns unsere Reise ganz gemütlich entlang der Neiße nach Görlitz und weiter nach Ludwigsdorf an denn Grenzübergang nach Polen wo wir uns unser Mautgerät besorgen müssen. Ja dieses kleine Ding muss nun mal sein, auch wenn man so wie wir nur auf kleinen Nebenstraßen unterwegs sein möchte. Die Formalitäten sind recht schnell erledigt und das Gerät mit 50 Euro aufgeladen. So kann es weiter gehen Richtung, … ja wohin überhaupt?

Wir entscheiden Richtung Zagan zu fahren und uns dort das ehemalige Kriegsgefangenenlager anzuschauen. Das ist durchaus interessant hier denn dieses Lager hat etwas besonderes, den Tunnel Harry. Dieser wurde damals von den Gefangenen angelegt ohne das die Wärter auch nur irgendetwas davon bemerkten. Dieser wurde sogar mit Gleisen und einem kleinen Rollwagen ausgestattet um die Häftlinge des Lagers mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Dingen wie Medikamenten zu versorgen. Die Amerikanische Kultserie „ Ein Käfig voller Helden“ basiert genau auf diesem Lager welches auch tatsächlich der Deutschen Luftwaffe unterstand und die Bezeichnung STALAG Luft. III trug.

Nach einiger Zeit fahren wir weiter auf Nebenstraßen nach Wolsztyn wo wir etwas Nördlich einen schönen See mit der Möglichkeit zum Baden und Übernachten finden und uns mit unseren Freunden treffen. Diese sind mit Ihrem Mercedes G etwas später aufgebrochen und jetzt nachdem ich Ihnen die Koordinaten geschickt habe am späten Nachmittag zu uns gestoßen. Trotzdem fanden wir noch die Zeit eine Runde um den See zu schlendern und am Abend zu Grillen und so manch Alkoholisches Getränk zu uns zu nehmen. Die Kinder genossen den Abend genauso wie wir, Spielten im Sand, Badeten und vielen irgendwann total kaputt ins Zelt. Ja die Kinder, also unsere beiden Mädels und der Junge unserer Freunde verbringen den Urlaub im Zelt was denn dreien richtig gefällt.

Am nächsten morgen heißt es alles zusammen räumen und weiter fahren. Es steht ein Fahrtag an welcher uns zur Marienburg bringen soll. So fahren wir Querfeldein auf kleinen Straßen durchs Land und genießen die vorbei ziehende Landschaft welche neben Feldern und Wiesen auch aus unendlich scheinenden Waldgebieten besteht und immer wieder durch schöne kleine und große Ortschaften führt. Anja fallen die vielen wundervoll geschmückten Wegkreuze und Marienstatuen an den Straßenrändern auf welche sie regelrecht in Ihren Bann ziehen. Am frühen Abend erreichen wir Marienburg und steuern einen Campingplatz an welchen ich vorher bei GoogleMaps entdeckt habe. Dieser liegt direkt gegenüber der Marienburg an der anderen Flussseite. Dieser Platz ist recht groß aber auch nicht gerade stark belegt und so fahre ich mit Man'i einfach mal vom oberhalb gelegenen Parkplatz denn Weg Richtung Rezeption und halte direkt vor dieser an, gefolgt von dem schwarzen G unserer Freunde. Kaum sind die Motoren aus kommt auch schon der Besitzer des Platzes an und heißt uns herzlichst willkommen mit den Worten „ Next Stop Kalliningrad ?“ gefolgt von einem freundlichem Lachen. Die frage nach einem Stellplatz für die nächsten 2 Nächte rückt erst mal in denn Hintergrund denn Man'i und natürlich das woher und wohin wir wollen scheint viel interessanter. So reden wir eine weile über dies und das in einem Mix aus Deutsch und Englisch bis wir einen Platz zugewiesen bekommen. Dieser Campingplatz hier ist echt zu empfehlen den er ist erstens perfekt gelegen aber auch in einem super guten zustand mit einem guten Preis Leistungsverhältnis. Den Rest des Tages lassen wir ganz gemütlich ausklingen und sitzen noch bis in die Nacht hinein beisammen.




Heute wollen wir uns die Burg anschauen welche schon von weitem imposant aussieht. Die Marienburg ist wohl das größte Backstein Bauwerk Europas und ja, groß ist sie wirklich und so bedarf es schon fast einen ganzen Tag um sich diese genau anzuschauen. Dabei fällt Anja eine Wendeltreppe aus Holz mit vielen schönen Schnitzereien auf welche sie am liebsten mitnehmen würde. Leider haben wir aber an Man'i keinen Platz für diese :-) Nachdem wir die Burg besichtigt haben gehen wir noch in die Stadt um diese zu besichtigen und ein Stück Kuchen in einem der Caffees zu genießen. Die Stadt selbst ist jetzt nicht unbedingt sehenswert aber naja, Städte liegen mir persönlich ja eh nicht so. Abends gehen wir nochmal zur Burg und genießen das wohl beste Schaschlik was wir je gegessen haben an der dortigen Grill Imbiss Stube oder wie man es auch immer nennen möchte. Die haben es jedenfalls richtig drauf mit dem Grill umzugehen und so bleiben wir noch eine weile und sehen der Sonne beim untergehen von der Burgmauer aus zu. Happy Birthday to you, happy birthday to you. Ja heute ist es soweit, unsere jetzt große Alina feiert Ihren 10. Geburtstag und dieser muss natürlich gefeiert werden und endlich darf auch das große Paket welches ich mitnehmen musste geöffnet werden. Nach dem Frühstück geht es dann weiter zum Oberländer Kanal welchen ich schon wieder vergessen hatte. Jedoch kreuzen wir diesen auf unserem Weg in die Masuren und so fällt es mir direkt auf der Brücke wieder ein. Mensch da war doch was also Stopp und auf dem Parkplatz an der Brücke eingeparkt.



Zu Fuß geht es jetzt ein Stück entlang des Kanals wo sich eine, ja wie nennt man das eigentlich? Hier werden die Schiffe mit Hilfe eines Wagens welcher an Seilen hängt über eine Schiefe Ebene gezogen um den Höhenunterschied zu überwinden. Wir haben Glück und das dazugehörige Maschinenhaus ist geöffnet und der dortige Maschinenwärter führt uns diese über 100 Jahre alte Technik welche rein durch Wasserkraft betrieben wird vor. Das funktioniert alles noch wie am ersten Tag sagt er, nur ein Riemen und Teile des Schaufelrades mussten bis jetzt ersetzt werden. Das sei aber normaler Verschleiß. Heutige Bauteile würden nicht mal die Hälfte der Zeit überstehen meint er dann noch verschmitzt worin ich Ihn voll und ganz bestätigen kann.

Weiter auf unserem Weg Richtung Masuren muss natürlich noch ein Geburtstagskuchen angeschnitten werden worüber sich Alina ganz besonders freut, denn was gibt es schon schöneres als ein Geburtstag mit Freunden. Am Abend erreichen wir dann den Campingplatz Sonata welcher direkt am See gelegen ist und viel Ruhe verspricht. Auch hier sitzen wir noch lange am Lagerfeuer und werden immer wieder von den Nachbarn besucht und über Man'i und das woher und wohin ausgefragt. Irgendwie fallen wir immer bissel auf. Die nächsten zwei Tage bleiben wir erst mal hier und fahren heute ein wenig Fahrrad.

Zur Wolfsschanze soll es gehen welche etwa 25 km entfernt ist. Das Wetter ist super und die Radwege ja halt typisch Polnisch, wobei ich mir teilweise überlege das diese Wege bei Regen genau das richtige für Man'i währen. Das verspricht auf jeden fall ne menge Spaß aber wir haben Sonne und ich muss Rad fahren. Verdammt. An der Wolfsschanze angekommen stellen wir die Räder ab und erkunden das Gelände. Das ist schon gewaltig was die hier gebaut hatten und vor allem in welch kurzer Zeit. Auch das sollte man sich mal angesehen haben wenn man in der Gegend ist, auch wenn es leider muss ich sagen damals von der Wehrmacht zerstört wurde um zu verhindern das es den Soviets in die Hände fällt

Im Anschluss Radeln wir wieder zurück zum Campingplatz und genießen denn restlichen Abend. In der Nacht fing es dann an zu Gewittern was sich bis in den nächsten Tag hineinzog, so machen wir heute einen recht ruhigen Tag mit Aufräumen, Putzen, Sachen waschen und natürlich ausruhen.

Leider Regnet es heute und es hat sich richtig abgekühlt, so fahren wir nach dem Frühstück weiter in Richtung Litauen durch die Wälder. Die Kinder zählen zum Zeitvertreib Störche und sind schnell bei 100 Tieren angelangt. Dank der Handfunkgeräte herrscht viel Spaß auf der Fahrt denn so können die Kinder zwischen den Fahrzeugen kommunizieren und binden selbst uns mit in Ihre Spiele ein. So zählen wir nicht nur Störche sondern auch Verkehrsschilder, Bäume, Kühe und was es sonnst noch so zu sehen gibt. Selbst eine Elchkuh mit Jungtier läuft uns im wahrsten sinne des Wortes über den Weg.

Der Grenzübergang nach Litauen ist nur eine schmale Straße mit einer 7,5 Tonnen Begrenzung aber das hat mich nicht gestört und so fahren wir direkt an der Königsberger Grenze ( Russland ) entlang bis in den nächst größeren Ort um erst mal einkaufen zu gehen. Kaum stehen wir auf dem Parkplatz des Supermarktes steht auch schon ein Pickup der hiesigen Grenzpolizei neben uns und möchte unsere Papiere sehen. Schnell stellt sich heraus das auch diese beiden nur an Man'i interessiert sind, dieses aber nicht zeigen wollen. Erst als ich einen der beiden dabei ertappte wie er ein Selfie mit sich und Man'i macht ist es klar und ich bekomme sofort meine Papiere wieder. Als die beiden abfuhren gab es noch einen Daumen nach oben und die Welt war in bester Ordnung.



Nach dem Einkauf fahren wir in strömenden Regen weiter bis an die Memel wo wir am Fluss unser Lager aufschlagen. Das Wetter wird zunehmends schlechter und so ziehen wir alle in den LKW wo wir uns einen doch recht gemütlichen Abend machen. Der Wein wird langsam rar müssen wir feststellen :-) und die Mückenstiche an unseren Körpern sind mittlerweile unzählbar.

Auch heute Regnet es weiter und so machen wir zusammen, also zu siebent Frühstück im Man'i. Das kann ganz schön kuschelig werden sag ich euch aber geht. Dann alles zusammen gepackt und weiter über Schotter oder besser Schlammpisten Richtung Kurische Nehrung. Diese wollten wir eigentlich besuchen sind dann aber zu dem Entschluss gekommen das das bei diesem Wetter wenig bringt und wir uns dieses sparen können. So fahren wir weiter der Küste entlang bis nach Palanga wo wir nach einiger suche einen Campingplatz finden auf dem wir bleiben können. Abends lässt der Regen langsam nach und wir machen noch einen kleinen Spaziergang an den Strand. Am nächsten morgen wie konnte es auch anders sein Regnet es wieder und wir blieben bis 10 Uhr im Bett. Das war auch gut so denn zu Mittag wurde das Wetter etwas besser und wir fuhren mit unseren Rädern nach Palanga. Schön hier, dieses Städtchen ist zwar völlig auf Badetourismus ausgelegt hat aber auch noch andere Dinge zu bieten. So lohnt sich ein Besuch der Kirche, ebenso ein Spaziergang durch die Fußgängerzone und ein Abstecher in den Park welcher sehr groß und ansehnlich ist. Wieder zurück bei Man'i nutzen wir das Campingplatz Angebot und beschlagnahmen eine Waschmaschine für unsere Wäsche, wovon wir reichlich zu waschen haben denn die letzten Tage forderten ihren Tribut. Besonders bei den Kindern. Gott sei dank kommt am Nachmittag auch die Sonne mal wieder zum Vorschein und trocknet diese in Windes eile. Abends ist es noch so schön geworden das wir uns mit einer Flasche Wein in die Dünnen setzen können und einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten. Die Kinder spielen derweil am Strand und es wird wohl Mitternacht bis diese ins Bett kommen. Egal müssen ja früh nicht raus.

Heute geht es weiter nach Liepaja wo wir uns die Orthodoxe Kirche mit den Goldenen Zwiebeltürmen anschauen möchten. Diese steht in mitten eines ehemaligen Russischen Militärgeländes welches einst ein Militärgefängnis beinhaltete sowie eine Raketenabschussbasis. Dieses ganze Gelände ist nun frei begehbar und bietet einige schöne Stellen zum Kampieren direkt an der Küste. Aber zurück zur Kirche. Diese ist richtig groß, schon fast ein Kreml und bietet neben Ihrem äußerem auch ein schönes mit wundervollen Malereien versehenes inneres welche Ihr euch wenn Ihr hier mal vorbei kommt nicht entgehen lassen solltet.



Leider geht es Susan seit einigen Tagen nicht so gut und zunehmend immer schlechter so das wir gezwungen sind vorsichtshalber einen Arzt aufzusuchen. Das ist dank Internets welches wie sich wiedereinmal herausstellt überall besser ist als in Deutschland ein leichtes und so finden wir mit wenigen Klicks ein Ärztehaus wo wir sofort hinfahren. Leider konnte man uns dort nicht wirklich weiter helfen, jedoch wurden wir überaus höflich empfangen und an das örtliche Krankenhaus verwiesen welches nur wenige Kilometer entfernt ist. Dort angekommen sind wir echt überrascht wie Sauber und modern das hier ist. Auch das Personal ist äußerst freundlich und Hilfsbereit, darüber hinaus sprechen hier alle fliesend Englisch was zuhause eher unmöglich erscheint. Auch mussten wir nicht wirklich warten was allerdings auch an der Deutschen Krankenversicherung liegen kann. Nach kurzer Untersuchung stellte sich heraus das Susan glücklicherweise nichts allzu ernstes hat und wir konnten sie zwar schwach und müde aber in einem Stück wieder mitnehmen. Nach ein paar Tagen hat sie sich wieder soweit erholt und es geht Ihr wieder sichtlich besser.

Am Nachmittag machen wir mit Jens und Steven noch eine Strandwanderung entlang der Raketenbasis zu einem alten zerstörten Fort und wieder zurück. Susan hat sich derweil hingelegt und geschlafen was Ihr recht gut getan hat wie es schien. Am Abend haben wir so gutes Wetter das wir ein Feuer entfachen und uns einige Kartoffeln in Folie in die Glut werfen welche zusammen mit selbst gemachtem Zaziki einfach wundervoll schmecken. Dazu noch ein Glas Wein und den Sonnenuntergang genießen.



So schön der gestrige Abend war so bescheiden fängt der heutige morgen an. Er begrüßt uns mit Regen und Sturm was uns wieder einmal zu einem Frühstück zu siebent im Man'i zwingt. Heute soll es nach Kuldiga gehen wo sich der breiteste Wasserfall Europas befindet. Der Weg dorthin ist aber mal genau nach unserem Geschmack. Da hier alle Nebenstraßen nur Schotterpisten sind verwandeln diese sich bei diesem Wetter in regelrechte Schlammpisten mit zum Teil recht tiefen Wasserlöchern welche teilweise die Ausmaße von kleinen Seen haben. An dieser stelle sei erwähnt das die Fahrzeuge bereits nach kurzer Zeit ihr ursprüngliches äußeres verändert haben und nun rundum eine gleichmäßige Fangopackung aufweisen. Diesen Zustand herzustellen hat allerdings jede menge Spaß gemacht.

In Kuldiga angekommen lässt der Regen etwas nach und wir besuchen den bereits erwähnten Wasserfall mit dem Namen Ventas Rumpa welcher nun auch entsprechend Wasser führt. Im Anschluss spazieren wir noch durch die Stadt welche wirklich hübsch ist und neben der Altstadt auch einige schöne Parks mit vielen Spielmöglichkeiten für die Kinder bietet. Auch heute wird das Wetter am Nachmittag wieder besser und wir finden nach kurzer Fahrt einen wunderschönen Platz im Wald am Fluss Venta wo wir uns nieder lassen und die ruhe genießen. Da den Kindern langweilig ist bekommen sie die Aufgabe die Fahrräder welche hinten am G Modell hängen von ihrem Schmutz zu befreien. Es stellt sich heraus das da wohl eine ganze Straße dranhängt und so kam Jens auf die grandiose Idee die Kinder gleich mit den Rädern in den Fluss zu schicken was wohl am sinnvollsten erscheint. Kurz darauf suche ich mit Jens Feuerholz für ein Feuer da wir heute einfach nur paar Würstchen aufspießen und am Feuer machen wollen. Als Nachtisch gibt es Anjas göttlichen Knüppelteig in verschiedenen Variationen. So macht Abenteuerurlaub richtig Spaß.


P.s. Das Wetter wurde noch so schön das Anja endlich mal die Wäsche aufhängen konnte und diese tatsächlich auch trocknete. Heute ist es auch wieder schön und so können wir erst mal ganz in ruhe unter freiem Himmel Frühstücken bevor wir weiter nach Ventspils aufbrechen. Da ich bereits vor zwei Jahren hier war weiß ich das es am ende des Hafens einen größeren Parkplatz für Touristen direkt am Strand gibt welchen wir jetzt auch anfahren wollen. Kaum angekommen laden wir unsere Fahrräder ab und werden dabei auch schon von einigen Neugierigen Touristen bestaunt und natürlich wieder Fotografiert, wobei Man'i natürlich der Mittelpunkt der Bilder ist. Nun ja so ist das halt, wenigstens kommt so auch ein bisschen Kleingeld in die Büchse. Das reicht zumindest für so manche Parkgebühren ;-)


Mit den Rädern erkundet sich Ventspils am besten da diese Stadt doch recht groß und weitläufig ist. Wir beginnen gleich am ersten Park welcher auch der größte ist. Dieser bietet neben einer Parkeisenbahn noch jede menge Spielplätze, Trim Dich Geräte, Teiche mit Fischen drin und sogar eine Ankersammlung welche sich durch den gesamten Park verteilt.

Die Kinder haben recht viel Spaß und selbst wir „Erwachsenen“ werden hier und da wieder jung. Langsam nähert sich die Mittagszeit und wir Radeln weiter in die Altstadt wo wir auch so einiges zu bestaunen haben. Besonders der Markt ist interessant denn hier findet man neben frischem Obst und Gemüse auch so manches Utensil des täglichen Bedarfs. Auf dem Marktplatz steht auch ein Glockenspiel welches zu jeder vollen Stunde erklingt. In der Stadt stoßen wir auch immer wieder auf Kuh Skulpturen welche zu einem Kunst Projekt Namens „Ventspils Cow Parade“ gehören. Diese gibt es in klein, größer, mittelgroß, groß und übergroß. Auch die anderen Parks sehen wir uns noch an und gelangen so am Nachmittag zu einem ganz besonderen Park nur für Kinder wo wir uns einen Kaffee und natürlich ein Eis gönnen. Hier können die Kinder sich eine ganze weile Austoben denn dieser Park besteht eigentlich nur aus Spielgeräten und Klettergerüsten. Sogar Schaukeln für Rollstuhlfahrer haben die hier, so etwas wird man in Deutschland wohl nirgends finden und das ganze auch noch kostenlos alles. Über die Sauberkeit muss ich hier ja nichts schreiben denn herumliegenden Müll, Hundehaufen und Zigarettenstummel habe ich ehrlich gesagt in der ganzen Stadt nicht gesehen. Ja hier kann sich so manch einer ne Scheibe abschneiden und vielleicht sollten unsere Heimatlichen Stadträte auch mal her kommen um zu schauen was alles so möglich ist. Das aber nur so nebenbei.



Die Kinder sind zwar noch nicht geschafft aber wir müssen langsam weiter zu Man'i denn ein wenig einkaufen wollen wir auch noch und dann müssen wir uns noch einen Stellplatz für die Nacht suchen was auch etwas dauern kann. Und so ist es dann auch denn so manch Weg Richtung Meer entpuppt sich als Sackgasse und ohne Wendemöglichkeit und so heißt es zwischendurch mal eben etwa zwei Kilometer Rückwerts zur letzten Straße zurück. Naja auch das gehört dazu und nach einer weiteren knappen Stunde haben wir dann auch ein Fleckchen im Wald gefunden wo wir uns hinstellen können. In der Nacht werde ich durch ein Gewitter wach welches über uns hereinbricht, es Regnet, Graupelt, Blitzt und Donnert das wir angst haben das die kleinen in Ihrem Zelt untergehen werden aber nix da. Die haben davon überhaupt nichts mitbekommen und schlafen in einer Seelen Ruhe als ob nichts ist. Und ich? Ich bin nass bis auf die Knochen und voll mit Schlamm nur um nach dem rechten zu sehen. Unglaublich.

Am Morgen ist alles wieder wie immer, die Sonne lacht und wir brechen nach dem Aufräumen auf ans Kap Kolka. Hier bestaunen wir die Aussicht vom Aussichtsturm und unternehmen einen schönen Strandspaziergang. Mehr gibt es hier eigentlich auch nicht zu sehen. Da wir aber heute einen ganz gemütlichen Tag machen wollen und das Wetter auch schön und die Temperaturen recht warm sind suchen wir uns einen Parkplatz am Strand wo wir auch gleich bis morgen bleiben können. So liegen wir jetzt am Strand und gehen gelegentlich Baden und spielen das ein und andere Spielchen. Da wir ja schon wussten das wir heute nicht viel machen werden haben wir gestern gleich für das heutige Abendessen mit eingekauft. Es soll einen Pfundstopf aus dem Dutch Oven geben. Also stelle ich dieses Gusseiserne Monstrum mal auf den Tisch und wir beginnen mit den Vorbereitungen. Nach und nach füllt sich der Dopf und es wird zeit die Kohlen vorzubereiten. Da Jens und Susi den Dutch Oven nicht kennen zeigen sich die beiden natürlich recht interessiert und sind trotz einiger Skepsis voll dabei und können es kaum erwarten das es endlich soweit ist. Nach etwa drei Stunden liegt ein richtig leckerer Geruch in der Luft und aus dem Dopf ist seit einiger Zeit ein angenehmes Blubbern zu hören was mir sagt essen ist fertig. Kaum hebe ich den Deckel herunter ist auch schon die ganze Bande angetreten zum Futter fassen. Jens und Susi sind absolut begeistert und ehe ich mich versehe ist auch schon der ganze Dopf leer. Es muss also allen geschmeckt haben.



Nach dem Abendessen ist mir und Anja noch nach einer kleinen Runde irgendwas und so beschließen wir zusammen mit unserer jüngsten noch einen Abendspaziergang zu unternehmen. So streifen wir noch etwas durch die Umgebung und entdecken so manch hübsches Fleckchen. Auch Mia ist begeistert und nutzt die Zeit mit mir und Anja um über so manch erlebtes aber auch noch kommendes zu plaudern und ehe wir uns versehen ist es auch schon fast Mitternacht bis wir wieder bei Man'i und den anderen sind. Jetzt aber ins Bett und gute Nacht. Ein neuer Tag beginnt und es gibt nichts schöneres als nach dem aufstehen als erstes eine runde Schwimmen zu gehen. Im Anschluss natürlich Frühstück und dann alles zusammen räumen denn wir wollen weiter nach Sigulda fahren. Das ist eigentlich jetzt gar nicht so weit wäre da nicht Riga mit seinem, nun ja, etwas höheren Verkehrsaufkommen und damit verbundenen Staus. Aber auch das meistern wir, haben ja auch keine andere Wahl, und kommen am frühen Nachmittag an der Burg Turaida in der nähe von Sigulda an. Die Reste der Burg und dessen Nebengebäude welche eine Art Freilichtmuseum bilden sind interessant anzuschauen und bieten so manche Ausstellung die man sich anschauen sollte wenn man schon mal hier ist. Auch hier gibt es wieder einen schönen Park mit vielen Kunstobjekten welche sich perfekt in die Landschaft schmiegen. Alles in allem kann man hier einen ganzen Nachmittag verbringen ohne das lange weile aufkommt.

Jetzt noch schnell ein kleines Stückchen fahren bis nach Cesis wo ich von meiner letzten Reise ins Baltikum einen Campingplatz her kenne der unser Domizil für die nächsten Tage werden soll. Dieser Platz bietet alles was man so braucht inklusive Feuerstellen und jeder menge Holz für eben diese. Was aber noch schöner ist, ist das eben dieser genau am Fluss Gauja gelegen ist welcher dem hiesigen Nationalpark auch seinen Namen gibt. Und die vermieten hier Kanus mit dehnen man den Fluss hinunter fahren kann und eben dieses wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Das aber erst morgen, heute schauen wir uns hier noch ein bisschen um und entdecken nicht weit von hier eine Quelle mit frischem und vor allem leckeren Wasser. Diese nutzen wir dann gleich um unsere Wasservorräte aufzufüllen da diese doch erschöpft sind und das Wasser hier aus der Leitung, naja der Farbe nach kommt das wohl aus dem Fluss. So haben die Kinder mal wieder was zu tun und laufen mit 5 Liter Kanistern immer hin und her.


Heute wollen wir eine Tour mit den Kanus machen welche wir gestern bereits reserviert hatten und stehen somit um 10 Uhr allesamt vor der Rezeption. Nach ein paar Minuten ist der Papierkram erledigt und es geht los immer den Fluss hinunter. Dieser fliest recht langsam und windet sich gemütlich durch die Natur. Immer wieder sehen wir große und kleine Vögel die uns zum teil auch begleiten und genießen die ruhe wehrend wir so dahin treiben.

Weiter Flussabwärts befinden sich einige Sandsteinklippen welche mit ihrer roten Farbe einen ganz ungewohnten Kontrast in der Landschaft bilden. Diese sind fester Bestandteil des Nationalparks und in ihrer Art wohl einzigartig in Europa. Im weiteren verlauf stoßen wir auf eine Stromschnelle welche wir leicht überwinden jedoch kommt Jens auf die Idee was runter geht geht auch hoch und so versuchen wir diese wieder hoch zu fahren. Wir paddeln und paddeln und kämpfen mit voller und halber Kraft, den wir haben jeweils ein Kind im Boot, doch es gelingt uns einfach nicht diese zu überwinden. So geben wir uns nach einiger zeit geschlagen und treiben langsam weiter Flussabwärts wo wir dann nach einer weiteren Stunde die Ausstiegsstelle erreichen. Nach einem kurzen Telefonat werden wir auch schon abgeholt und wieder zurück zu unserem Campingplatz gebracht wo wir den Tag in aller ruhe am Lagerfeuer mit einem oder zwei Glas Wein ausklingen lassen.

Es soll hier in der Nähe einen Kamelpark geben und so beschließen wir heute mal wieder eine runde mit den Fahrrädern zu fahren. Vorbei an der bereits erwähnten Quelle einem Wanderweg folgend gelangen wir an einen Hochseilgarten von wo aus uns eine Straße direkt zu eben diesen Kamelpark führt. Nun ja ein Park ist etwas anderes und Kamele sind das auch nicht wirklich. Nur Alpakas und Ziegen und Schafe. Da lohnt es sich nicht extra Eintritt zu bezahlen und wir beschließen einfach weiter zu fahren und uns Cesis anzuschauen. Auch hier gibt es eine kleine Burg und Parks die sich anzuschauen lohnen. Auch ordentliche und vor allem große Spielplätze haben die hier wieder wo sich die Kinder vertuen können während wir auf einer nahe gelegenen Terrasse einen Kaffee genießen. Ja was Parks und Spielplätze angeht schrieb ich ja bereits aber ich muss sagen ich bin immer wieder aufs neue begeistert. Die Innenstadt ist leider eine Baustelle aber ich denke wenn die hier fertig sind wird auch das ein schönes kleines Städtchen was sich sehen lassen kann. Wieder im Camp angekommen bereite ich langsam den Grill vor während Jens etwas Feuerholz besorgt. So vorbereitet steht einem entspannten Abend nichts mehr im Wege und später bereitet uns Anja sogar noch einen Rustikalen Knüppelteig zu welcher perfekt zur Stimmung und den Rotwein passt. Ja was das angeht ist Anja einfach eine Göttin egal ob Knüppelteig oder Weihnachtsstollen, alles immer köstlich.

Es wird zeit weiter zu ziehen und so verlassen wir heute den Campingplatz und fahren über staubige Schotterpisten ein kleines Stück zurück nach Sigulda. Hier werden wir wohl den ganzen Tag verbringen denn es gibt hier doch jede menge anzusehen. Die Burg Turaida haben wir uns ja schon vor einigen Tagen angesehen aber es gibt hier noch zwei weitere Anlagen welche wir uns heute anschauen möchten. So Parken wir auf einem kleinen Parkplatz im Gaujatal und laufen einfach mal los. Durch einen kleinen Park geht es zur Gutmana ala ( Gutman's Cave ) einer Höhle welche sich in den Sandsteinklippen befindet und wohl schon seit weit über einhundert Jahren als Touristenmagnet gilt. Weiter steil bergan gelangen wir zu den Überresten der Burg Krimulda von wo aus wir einen schönen Ausblick ins Tal und hinüber nach Sigulda mit seinem Schloß haben. Heute wird ein Teil der Anlage wohl als Rehabilitationszentrum genutzt steht aber auch den normalen Besuchern offen.

Wir verbringen hier eine ganze weile bis wir mit der Seilbahn auf die andere Seite herüber fahren. Ja ihr habt richtig gelesen mit einer Seilbahn, denn hier befindet sich die wohl einzige Seilbahn des Baltikums welche die beiden Flussseiten mit einander verbindet. Diese fahrt ist schon ein Erlebnis für sich denn es geht doch ganz schön hinunter an dieser Stelle. Bevor wir mit der Bahn fahren habe ich mit Jens und einem weiteren Touristen welcher zufällig dabei stand noch ein interessantes Gespräch über den Bildungsstand heutiger Abiturienten und allgemein der Handy abhängigen Jugend. Dabei kamen wir zu der Erkenntnis das diese leider kaum mehr in der Lage sind einfachste Rechenaufgaben im Kopf zu rechnen und es mit der Allgemeinbildung eigentlich auch nicht soweit her ist, was ich selbst sehr bedauerlich finde denn schließlich stehen diese vor Ihrem Berufsleben und müssen irgendwann auch mal eine Familie ernähren. Aber jetzt kommt es, wir steigen alle in die Seilbahn welche von einem Jungen Mädel um die zwanzig Jahre alt begleitet wird um die Fahrkarten zu verkaufen. Der Preis 7 Euro pro Erwachsenen und 5 Euro pro Kind macht bei 2 Erwachsenen und 2 Kindern? Na? Richtig 24 Euro. Das Mädel welchem ich nun 50 Euro in die Hand gab zückt doch tatsächlich Ihr Handy um nun den Fahrpreis und somit das Rückgeld auszurechnen. Und wie viel bekomme ich wieder? Richtig 21 Euro !!! Das ich so schnell in meiner Meinung bestätigt werde ist mir bis dahin auch noch nicht passiert und ich hoffe doch sehr das es noch Jugendliche in Europa gibt die nicht nur auf das wissen ihres Handy's vertrauen. Ok das nur nebenbei aber ich lästere nun mal so gern :-)

Diese Seilbahn wird nicht nur zur Beförderung von Fahrgästen genutzt sondern bietet für ganz hart gesottene noch ein kleines extra. Hier kann man sich echt mittels eines Gestelles und Gurten an das Seil hängen und somit den freien Flug der Seilbahn entgegen genießen. Das Ding wird echt schnell und stoppt dann abrupt über dem Fluss, ziemlich genau in der Mitte wo man dann wieder durch die eigentliche Seilbahn zurück geschoben wird. Ich muss zugeben das das für mich mit meiner Höhenangst nicht unbedingt das wahre ist.



Auf der anderen Seite angekommen geht es nun weiter durch Parks in Richtung Schloss. Dieses ist mal etwas ganz anderes, es ist recht klein aber dafür bunt und passt mit seinen Farben perfekt in den Garten welcher davor ist. Man möchte meinen es wurde erst der Garten angelegt und dann das Schloss passend dazu eingefügt. Natürlich gönnen wir uns hier erst mal ein Eis während wir durch den Garten schlendern. Jetzt steht noch die angrenzende Burg des Livonischen Ordens auf dem Plan welche sich hinter dem Schloss befindet. Diese Mittelalterliche Ruine wurde in den letzten Jahren wieder liebevoll hergerichtet und bietet nun neben den alten Gemäuern auch einen Hergerichteten Holzturm von dem man eine wundervolle Aussicht auf den Fluss und die Burgen Trakai und Krimulda. Auch hier ist übrigens alles Behindertengerecht gebaut und so verfügt auch der Turm über einen Aufzug. Der Innenhof wird durch eine kleine Bühne geprägt welche für kleine Musikaufführungen genutzt wird. Als ich das letzte mal hier war, es war wohl ein Sonntag so erinnere ich mich das sich viele Junge und Alte Menschen im Garten des Schlosses trafen, auf Decken ein Picknick genossen und allesamt zusammen gesungen haben.

Jetzt wo wir unsere Burgen und Schlösser runde für heute beendet haben geht es langsam wieder zurück Richtung Parkplatz, immer am Fluss entlang wo auch wunderbare Wege und Picknickplätze angelegt wurden. Nur leider sind um diese Jahreszeit die Mücken eine echte plage und fallen sobald man auch nur stehen bleibt gnadenlos in Scharen über einen her. Dennoch muss ich sagen das es hier einfach schön ist und wir bestimmt einmal wieder kommen werden. Für den Gauja Nationalpark und natürlich die umliegenden Städte wie Sigulda und Cesis kann ich nur meine Empfehlung aussprechen und behaupte das es wohl eines der schönsten Fleckchen im gesamten Baltikum ist.

Wir verlassen das Tal und fahren wieder Richtung Küste wo wir doch etwas länger damit beschäftigt sind einen Stellplatz zu finden. Aber was lange währt wird gut und so finden wir dann doch noch einen kleinen Campingplatz auf dem wir bleiben. OK die Einfahrt war etwas schmal aber mit etwas Geschick ging es dann doch und wir parkten direkt am Meer von wo aus wir eine wundervolle Sicht auf den Sonnenuntergang hatten. Auch andere Touristen aus Deutschland wahren hier und kamen immer wieder zum quatschen vorbei. Zwei von Ihnen hatten sich jeweils einen Dacia Logan Van ( bin mir bei der Modellbezeichnung jetzt nicht so sicher ) ausgebaut und wohnen den ganzen Sommer darin. Diese beiden fielen gleich an der Rezeption über uns her und konnten Ihre Begeisterung kaum zügeln. Besonders dann nicht als ich sie zu einer Führung durch unser trautes Heim einlud. So sitzen wir wieder alle beieinander, die Kinder spielen am Strand, der Grill grillt und genießen die Aussicht aufs Meer und den Sonnenuntergang.

Heute schlafen wir mal aus und so fahren wir erst gegen Mittag weiter nach Pärnu wo wir uns die Stadt anschauen möchten. Dank Google Earth entdecke ich bereits im Vorfeld einen Parkplatz in Stadtnähe welcher für uns geeignet sein sollte. So ist es auch und wir bekommen sogar mit etwas Rangieren einen Platz am Rand. Leider ändert sich das Wetter wieder und es wird zunehmen Dunkler und Stürmischer doch wir haben Glück und es Regnet den ganzen Tag über nicht einmal. Die Altstadt von Pärnu ist mit ihren unzähligen Fachwerkhäusern und kleinen Gassen recht schön und Anja zieht es unaufhaltsam von einem kleinen Laden in den nächsten. In einem dieser Souvenirläden kaufen sich Mia und Steven kleine Pfeifen aus Holz, was eigentlich als Erinnerungsstück dienen soll raubt uns dann des öfteren fast den letzten Nerv denn die beiden Pfeifen die nächsten Tage ununterbrochen vor sich hin. Jetzt wo wir die Stadt gesehen haben und in einem kleinen Restaurant welches einen ganz speziellen Still was die Einrichtung angeht gegessen haben fahren wir an einen Platz am Meer welchen ich bereits kenne.



Das Wetter wird immer schlechter und es beginnt nun sogar zu Gewittern was uns dazu zwingt eine gewisse Zeit in den Fahrzeugen zu verbringen. Jedoch hört der Regen nach einiger Zeit auf und wir können trotz Sturm der uns um die Ohren bläst noch bis in die Nacht hinein zusammen sitzen und...

Naja am heutigen morgen geht es uns allen nicht sehr besonders ;-) So fahren wir schweren Kopfes weiter Kurs Nord bis wir neben der Straße eine kleine Windmühle sehen. Also drauf auf die Bremse und abgebogen um dieser einen Besuch abzustatten. Kaum stehen wir auf dem Hof erscheint auch schon der Eigentümer mit seinem Auto und begrüßt uns aufs herzlichste. Er ist sichtlich überrascht das da ein LKW auf seinem Hof steht aber wir werden sofort zu einer Führung durch die Mühle eingeladen. Doch was ist das? Kaum setze ich meinen Fuß durch die Tür stelle ich fest das da was nicht stimmt. Normalerweise wird ja in Mühlen Korn gemahlen und somit Mehl hergestellt, hier ist das anders. Hier ist es recht Warm und es brennt ein Kohlefeuer in der Mitte des Raumes über welchem ein riesiger Abzug hängt. Ich schaue mich kurz um und stelle fest das es sich hier um eine Schmiede handelt. Ich bin sofort begeistert denn das habe ich nun wirklich nicht erwartet. Sofort wird das Feuer angeblasen und der Schmied zeigt den Kindern und natürlich uns wie man damals Nägel hergestellt hat. Eben diesen Nagel durften wir uns als Andenken behalten und er solle uns und Man'i immer vor Unheil beschützen. So haben wir ihn wie es sich gehört im Container eingeschlagen auf das er alles böse dieser Welt von uns abhält.


Auch werden hier viele Handgeschmiedete Waren angeboten und auf Kundenwunsch hergestellt. Die Mühle selbst ist wie ein Museum eingerichtet und man kann sie bis unter die Spitze besichtigen. Selbst der Estnische Präsident war hier schon zu Besuch gewesen berichtet er uns Stolz und zeigt uns die vielen Bilder die während der Rekonstruktion und davor entstanden. Er hat zusammen mit Freunden diese Mühle, welche noch vor einigen Jahren eher ein Trümmerfeld war komplett selbst wiederaufgebaut und alles akribisch dokumentiert. Dank der modernen Medien und natürlich Mundpropaganda wird die Mühle von Puraviku langsam immer bekannter und sollte bei einer Reise durch Estland unbedingt besucht werden.



Weiter geht es nun zum Keila Wasserfall welcher unser eigentliches Ziel für heute darstellen sollte. Dieser Wasserfall ist rund 6 Meter hoch und etwa 50 Meter breit was ihn zu einem der drei größten Wasserfälle in Estland macht. Umgeben ist er von einem Park und etwas unterhalb steht noch das ehemalige Gutshaus welches komplett Restauriert wurde und nun wieder den Glanz längst vergangener Zeiten versprüht. Sonnst gibt es hier eigentlich recht wenig und wir fahren bald weiter an einen schönen Platz am Meer wo wir übernachten wollen. Ich, Anja und Alina wollen noch etwas laufen und uns die Gegend ansehen und so laufen wir während die anderen am Strand liegen immer am Wasser entlang und genießen das schöne Wetter und die Wellen welche uns immer wieder um die Füße schweifen. Ich hab mal wieder lust auf andere Photos und so habe ich mir die Kamera mitgenommen und ein Zoomobjektiv drauf geschraubt. So Photographiere ich immer wieder brütende Vögel auf ihren Steinen und entdecke dabei so manch neu geschlüpftes Junge was besonders Alina gut gefällt denn mit dem bloßen Auge wahren diese nicht zu erkennen. Auch einige Portraits gelingen mir mit dem Objektiv sehr gut da man mit etwas Übung einen super unscharfen Hintergrund hinbekommt. Nach einiger Zeit sind wir wieder zurück bei den anderen und bereiten das letzte gemeinsame Abendessen vor, da unsere Freunde morgen leider Abreisen müssen. Auch heute dürfen wir wieder einen Wundervollen Sonnenuntergang erleben und genießen den letzten gemeinsamen Abend am Lagerfeuer.



Viele schöne Plätze wie dieser hier werden von der Estnischen Forstbehörde RMK verwaltet und gepflegt. Diese bieten meist einige einzelne Stellplätze mit Feuerstellen, Grills und sogar Toiletten. Ja selbst für ausreichend Feuerholz ist gesorgt und das alles kostenlos. Das finden wir gut denn so muss man nicht immer irgendwo lange suchen und kann sich somit schon im Vorfeld einen geeigneten Platz suchen denn es wird von RMK eine APP angeboten wo all diese Plätze, teils sogar mit Bildern eingezeichnet sind. Sollte diese mal nicht ausreichen so nutzen wir noch Park4night als Alternative.

Heute ist es soweit und unsere Freunde fahren wieder nach Hause. Wir hingegen Reisen weiter nach Tallinn wo wir die nächsten Tage verbringen wollen. Der Abschied viel uns recht leicht denn wir wissen ja das es so kommen sollte und jeder Urlaub ist mal zu ende. Da Jens aber nur etwa drei Kilometer von mir entfernt wohnt werden wir uns sicherlich bald wiedersehen. Nur Mia ist traurig denn sie vermisst den kleinen Steven jetzt schon ganz dolle.


In Tallinn fahren wir zu einer Art Citycamping im Yachthafen welchen ich bereits kenne. Dieser ist eher eine Art Caravanstellplatz wo sich Wohnmobil an Wohnmobil reit, aber was will man machen viel Auswahl hat man hier leider nicht. Kaum angekommen laden wir die Fahrräder ab und Radeln vorbei am Soldatenfriedhof und dem Russalka Mahnmal in Richtung Altstadt.

Leider beginnt es jetzt leicht zu Regnen aber das soll uns nicht aufhalten. So stellen wir die Fahrräder an geeigneter Stelle nähe des Mahnmals für das Estonia Unglück ab und laufen gemütlich durch die Stadt. Der Vorteil bei Regen ist das in der Altstadt nicht allzu viel begängnis herrscht und wir uns somit ungestört umsehen können. Langsam macht sich Hunger breit und wir fangen zudem langsam an zu frieren da wir doch mittlerweile etwas nass sind, so beschließen wir dem Russischen Restaurant auf dem Markt einen Besuch abzustatten. Hübsch ist es hier und so richtig gemütlich und Rustikal eingerichtet. Auch das Angebot ist nicht zu verachten und dennoch unerwartet günstig im Vergleich zu anderen Restaurants in der Stadt. So gut gestärkt brechen wir wieder auf zu unseren Fahrrädern denn mittlerweile schüttet es in Strömen und wir sehen keinen Sinn darin noch weiter durch die Stadt zu laufen. So radeln wir wieder zurück zu Man'i und sind bei Ankunft trotz Ponchos nass bis auf die Knochen.

Das gute ist das es hier auch Duschen gibt und so gehen wir gleich alle nacheinander Heiß Duschen und dann ab in Man'i wo wir heute mal einen Spiele Abend machen und viel Spaß bei so manchen lustigen Dingen haben. Die Mädels schlafen ja im Zelt weiterhin was mich gespannt sein lässt wie das so funktioniert ganz alleine ohne Steven, doch wir stellen fest das die beiden meist so kaputt sind das sie schon nach kurzer Zeit schlafen.

Es scheint die Sonne wieder und wir fahren wieder mit den Rädern in Richtung Stadt. Diesmal besuchen wir aber noch den Soldatenfriedhof „Maarjamäe“ welcher ja auf unserem Weg liegt. Ja an solchen Gedenkstätten kann ich nicht einfach so vorbei gehen ohne sie mir genauer angesehen zu haben denn schließlich ist es ein Teil unser aller Geschichte. Und so stehen wir immer wieder an Tafeln und lesen uns die schier unendlichen Namen und Daten der Gefallenen beider Seiten durch. Nach einer weile des Innehaltens geht es weiter in den Kadrioru Park wo sich ein riesiger Kinderspielplatz befindet in dem unsere beiden Mädels erst mal spielen können. Anja und ich schauen uns derweil in aller ruhe den Park an und gelangen an den Präsidentenpalast welcher auf einer kleinen Anhöhe im Park steht. Dieser ist recht schön anzusehen nur hinein dürfen wir leider nicht, da hat die Wache irgendwie was dagegen. Nach einiger zeit sind wir wieder bei unseren Mädels welche immer noch am spielen sind und gönnen uns erst mal ein Eis auf der wunderschönen Wiese.



Da das Wetter nun so schön ist fahren wir noch einmal in die Stadt, stellen unsere Fahrräder wieder an bereits bekannter stelle ab und schlendern den ganzen Nachmittag durch die Gassen. Tallinn ist eine der schönsten Städte an der Ostsee und hat jede menge Sehenswürdigkeiten wie die Stadtmauer mit ihren Türmen, viele schöne Kirchen sowie Museen zu bieten. Eigentlich kann man hier einen ganzen Tag verbringen und hat von der Altstadt nur einen Teil gesehen. Wieder zurück bei Man'i lassen wir den Tag wiedereinmal ganz gemütlich ausklingen und gönnen uns noch einen Wein. Nur die Mädels sind irgendwie kaputt und fallen bei Zeiten in ihr Zelt wo sie erst am nächsten morgen wieder aufwachen.

Heute wollen wir wieder weiter und so brechen wir nach dem ausschlafen unsere Zelte hier in Tallinn ab, doch bevor es weiter geht gehen wir erst einmal richtig einkaufen um unsere Vorräte wieder aufzufüllen. Das gestaltet sich recht gut denn genau auf der gegenüberliegenden Seite der Hauptstraße befindet sich ein riesiges Einkaufszentrum wo wir sogar mit Man'i parken können. Nach etwa zwei Stunden, ja es hat etwas länger gedauert aber wir haben ja Zeit und wollten mal so richtig in Ruhe stöbern, sind wir durch und haben von Wasser bis Grillfleisch alles was wir so benötigen.



Ganz hier in der nähe befindet sich das Kloster von Pirita welches wir die letzten Tage schon von unserem Stellplatz aus gesehen haben, dieses wollen wir jetzt noch besuchen und so lassen wir Man'i einfach stehen und laufen das kurze Stück hinüber. Dieses Kloster von welchem nur noch die Ruinen übrig geblieben sind wurde 1407 gegründet und bereits 1577 durch die Truppen Ivan des Schrecklichen wieder zerstört. Dennoch sind die Überreste sehr gut erhalten und versetzen den Besucher förmlich in eine andere Zeit. Auch hier verbringen wir noch einige Zeit bis wir schlussendlich zu Man'i zurück kehren. Weiter geht es nun an den Jägala Wasserfall welcher mit 8 Metern Höhe und rund 50 Metern Breite doch recht beachtlich ist. Da es wieder richtig schönes Wetter ist kochen wir uns schnell noch einen Kaffee, packen etwas Kuchen ein und machen ein richtig schönes Picknick direkt am Fuße des Wasserfalls. Dabei nutze ich die Gunst der Stunde und schieße viele Fotos welche dank Langzeitbelichtung den Wasserfall erst richtig zur Geltung bringen. So vergeht die Zeit und wir genießen unser Picknick bis wir genug von Wasser aber auch Touristen haben. Ja leider muss ich sagen ist es hier zwar recht schön aber wenn man etwas ruhe sucht ist man hier Tagsüber fehl am Platze. Nun ja Ruhe werden wir bestimmt noch finden irgendwo.



Wir fahren weiter auf die Halbinsel Pärispea im Lahemaa Nationalpark wo sich der nördlichste Punkt Estlands befindet. Am ende der Straße, also ganz oben haben wir wieder einen Campingplatz von RMK entdeckt welchen wir erst einmal zu Fuß erkunden da Man'i mit seine 3,80 Metern ja doch etwas höher ist als normal und so mancher Baum sehr tiefhängende Äste besitzt. Nach kurzer Begutachtung des Geländes haben wir ein schönes Fleckchen gefunden und ich manövriere Man'i rückwärts an seinen Platz. Das Gelände hier ist riesig, umso mehr verwundert es mich das hier eigentlich trotz Hauptsaison und Hitze recht wenig los ist und wir uns den schönsten Platz aussuchen können. Wir haben sogar einen Strand vor der Tür den die Kinder sofort in Beschlag nehmen und bis zum Abend nicht mehr verlassen denn nicht nur der Sand ist schön sondern das Wasser auch angenehm warm. Auch eine Feuerstelle mit Grill haben wir nur das Brennholz muss noch beschafft werden, daran soll es aber nicht scheitern denn auch dieses bekommt man hier gestellt. Sogar mit frei Haus Lieferung denn am Abend kommt ein Pickup der Forstverwaltung vorgefahren welcher die gesamte Ladefläche voll mit Holz für die Camper hat. Das freut uns denn so müssen wir nicht bis ganz nach vorne laufen um neues zu holen.

Da wir ja heute Vormittag einkaufen wahren haben wir uns natürlich auch Gedanken über das heutige Abendessen gemacht, es wird selbstgemachte Burger auf der Muurikka geben. Diese sind recht schnell gemacht und schmecken nach so einem Anstrengendem Tag ganz besonders gut und als Nachtisch gibt es einen ganz besonders schönen Sonnenuntergang am Nördlichsten Punkt Estlands und natürlich unserer Reise.



Leider verläuft die Nacht nicht so entspannt wie die letzten da sich Anja durch den Regen in Tallinn wohl eine Erkältung eingefangen hat. So liegt sie immer wieder wach, wälzt sich hin und her und leidet immer wieder an Fieber. So gebeutelt bleiben wir heute etwas länger im Bett bis wir von den Mädels endgültig zum aufstehen gezwungen werden und das kommt eigentlich nie vor.


Ein kurzes Frühstück und dann heißt es ab auf die Fahrräder denn wir wollen eine runde über die Halbinsel fahren. Dabei führt uns die Straße einmal an der Ostseite hinunter bis nach Loksa und auf der Westlichen wieder hinauf an die Spitze. Das ist eine schöne gemütliche runde durch die Natur und die kleinen Dörfchen mit ihren grünen und gelben Holzhäusern und schönen Gärten. Leider geht es Anja noch immer nicht besser, im Gegenteil sie wird immer müder und bekommt jetzt noch Kopfschmerzen hinzu so das sie sich gleich nach Ankunft an Man'i für den Rest des Tages ins Bett legt. Damit sie sich auch wirklich in ruhe erholen kann verkrümele ich mich mit den Mädels an den Strand und wir spielen und baden bis an den frühen Abend. Anja hat jetzt fast den ganzen Nachmittag geschlafen und sieht nun doch schon etwas erholter aus, auch fühlt sie sich schon merklich besser so das sie schon wieder am Abendessen schnippeln ist. Wir wollen heute nochmal die Muurikka befeuern und uns Kartoffeln mit Hühnchen und Gemüse zubereiten. Also nochmal Holz holen und ein Feuer angezündet. Alles schön nach und nach aufgelegt und durchgebraten. Lecker ist es und schon nach kurzer zeit ist alles aufgegessen. Nach dem Abendessen gehen wir noch einmal vor an die Spitze und genießen wieder einen wundervollen Sonnenuntergang welcher leider auch unser letzter an der Ostsee sein soll, denn ab morgen geht es langsam durch das Hinterland wieder zurück Richtung... Nö darüber will ich jetzt nicht reden aber über die Hälfte der Reise ist nun leider schon wieder vorbei :-(

Anja hat die ganze Nacht durch geschlafen und ist wieder weitestgehend fit also bauen wir das Zelt ab, räumen wiedermal alles zusammen und bereiten uns auf die weiterfahrt vor. Mittlerweile sind wir so eingespielt das das ganze auf und abbauen recht schnell und geordnet von der Hand geht und wir eigentlich nicht länger als eine halbe stunde benötigen um Reisefertig zu sein. So verlassen wir diesen schönen Ort welchen wir sicherlich noch einmal besuchen werden und fahren auf die etwas weiter östlich gelegene Halbinsel Käsmu. Auch hier fahren wir so weit wie möglich an die Spitze und finden am letzten Dorf einen kleinen Parkplatz von wo aus wir die Gegend erkunden können. Unmittelbar am Parkplatz beginnen einige Wanderwege und auf einer Tafel mit einer Art Lageplan entdecken wir einen kleinen etwa 5 km langen Rundweg den wir beschließen abzulaufen. Also den Rucksack mit etwas zu trinken und den Ponchos umgeschnallt und los geht’s. Während wir so durch die Natur laufen entdecken wir viele große Findlinge, also ich meine richtig große, also richtig richtig große und es werden immer mehr. Das ist interessant denn wie sich wenig später herausstellt ist dies hier wohl die größte Findlings Ansammlung des gesamten Baltikums. Diese riesigen Brocken sind Überbleibsel der letzten Eiszeit und wurden durch das Eis aus dem heutigen Schweden und Finnland bis hierher transportiert. Bei uns zu hause findet man ja auch immer wieder mal welche aber so große und dann noch teils über der Erde eher nicht. Diese hier ragen bis zu 4 – 5 Meter aus dem Boden heraus und wie man uns sagt ist das nur ein Teil des Steins denn der größte Teil befindet sich unter der Erde, etwa 60 – 80 Prozent.

Wir gehen langsam weiter und es beginnt schon wieder leicht zu regnen und wird immer kälter, irgendwie kann sich das Wetter wiedereinmal nicht so richtig entscheiden. Nach einigen hundert Meter kommen wir aus dem Wald heraus und erreichen wieder das Dorf Käsmu wo es auch ein Schifffahrts- und Meeresmuseum gibt. Dieses Museum ist eher eine kleine Private Sammlung von allem was es über die hiesige Fischerei und Seefahrt zu sammeln gibt. Angefangen von Seekarten über etliche Ausrüstungsgegenstände bis hin zu einem Anker und anderen Schiffsteilen wurde hier alles liebevoll zusammengetragen. Diese Liebe zu all den dingen und der Geschichte spürt man in jedem Raum des alten Hauses und kommt dabei aus dem Staunen nicht mehr heraus. Was die Eigentümer hier geschaffen haben ist nicht nur ein Museum sondern Geschichte zum erleben, Hut ab. Da das Wetter nicht besser wird und es hier nichts mehr zu sehen gibt beschließen wir noch ein Stück zu fahren und so verlassen wir die Ostsee nun endgültig Richtung Süden denn wir wollen in ein paar Tagen am Berg der Kreuze sein ohne aber irgendwelche größere Straßen zu benutzen. Nach einigen Kilometern wird das Wetter langsam besser und wir können die Heizung wieder ausschalten denn zwischenzeitlich war es doch recht kühl geworden. So fahren wir langsam und gemütlich über kleine Straßen und Pisten bis wir nach etwa 200 km einen hübschen Platz an einem kleinen See mitten im Wald entdecken. Absolute Ruhe herrscht hier und außer einem Angler ist weit und breit keine Menschenseele zu sehen, nur gegenüber am anderen Ufer baden ein paar Kinder. Auch dieser Platz wird von RMK verwaltet und in Ordnung gehalten, und natürlich finden sich auch hier einige Feuer und Grillstellen die nur auf uns Besucher warten. Estland gefällt mir immer mehr und wird wohl noch des öfteren von uns besucht werden denn diese unendliche Natur, die Gelassenheit der Bevölkerung und vor allem die Ruhe haben etwas was man in Europa kaum noch findet. ( Man kann ja auch nicht immer nach Schweden fahren oder in die Karpaten.)




Zum Abend entfache ich wieder ein Feuer in einer der Feuerstellen den wir haben noch einige von den Würsten die so lecker schmecken. Diese stecken wir einfach wieder auf unsere Spieße und halten sie übers Feuer bis sie durch sind. Als Nachtisch hat Anja wieder einen Knüppelteig zubereitet welchen wir ebenfalls auf die Spieße streifen und uns nach einiger Zeit in der Hitze schmecken lassen. So neigt sich auch dieser Tag dem ende und wir sitzen noch eine Weile am Feuer bis uns die Mücken endgültig in die flucht schlagen und wir in unsere Betten gehen.

Ein komisch bekanntes Geräusch weckt mich am frühen morgen, also so gegen 8 Uhr. Was ist hier los denke ich und blicke aus dem Fenster und schon sehe ich wie ein LKW der Müllabfuhr neben uns einparkt und die Besatzung anfängt die Mülleimer und Tonnen zu entehren. Ja Ordnung und Sauberkeit haben sie hier sogar im Wald. Wenn ich schon einmal wach bin kann ich auch gleich wach bleiben und mache mich erst mal hübsch bevor die Damen wieder das Badezimmer blockieren und eine unangenehme Unruhe aufkommt. Auch Anja ist bereits wach und so bereiten wir langsam das Frühstück vor, kochen Tee und ein paar Eier und schlussendlich wecke ich die Kinder. Die beiden schlafen immer noch so tief und fest in ihrem Zelt das sie nicht einmal die Müllabfuhr mitbekommen haben. Einfach unglaublich die beiden. Nach dem Frühstück machen wir noch einige Fotos zusammen mit Man'i, so ist auch genau hier unser Titelbild bei Facebook bzw. auf unserer Website entstanden.

Nun müssen wir aber weiter denn heute steht mal wieder fahren auf dem Plan. Viel fahren und so folgen wir vorerst der kleinen Piste durch den Wald bis zu nächsten Kreuzung und dann weiter auf unzähligen kleinen Pisten weiter nach Lettland wo wir am Nachmittag total durchgeschüttelt das Nationale Ski Gebiet erreichen. Hier bei Gaizinkalna Dabas kommt schon fast Alpines feeling auf, sogar einen Skilift und Kühe mit Glocken um den Hals haben die hier und einen kleinen Imbiss. Leider hat dieser aber geschlossen und so müssen wir uns unseren Kaffee selber kochen und es gibt auch kein Eis was das schlimmste ist was geschehen konnte. So trinken wir unseren Kaffee und schauen in die Karte wie wir wohl weiter fahren wollen. Nach etwa einer halben Stunde haben wir eine Richtung und fahren weiter.




Also das heißt Anja soll mal ein Stückchen fahren denn darauf freut sie sich schon lange und da uns den ganzen Tag niemand entgegen gekommen ist denke ich hier ist das Problemlos möglich. Zu Anfang ist sie natürlich total aufgeregt aber das gibt sich nach ein paar Minuten und so steuert sie mit einem riesigen Grinsen im Gesicht den Man'i über die Lettischen Schotterpisten. Hier kann ja nicht viel passieren schließlich kommt hier eh keiner.

Denkste denn nach etwa drei Kilometern kommt uns doch tatsächlich mitten in einer Kurve ein Bus entgegen und Anja steht die angst mitten im Gesicht. Aber keine Panik ich bin ja da und mit ein bisschen Hilfe übersteht sie diese Situation auch ohne Probleme und steuert Man'i sicher bis an das nächste Dorf wo ich das Steuer wieder übernehme. So Rumpeln wir noch etwa 100 Kilometer weiter über diese Pisten bis wir in einer etwas größeren Stadt einen Einkaufsmarkt finden und noch etwas einkaufen. Auch Tanken muss ich langsam mal etwas und so halte ich Ausschau nach einer Tankstelle welche auch bald gefunden ist. Hierbei handelt es sich um eine übliche Automaten Tankstelle welche das Tanken etwas leidlich gestaltet denn man kann immer nur für 200 Euro Tanken und das auch nur zwei mal hintereinander, dann ist Schluss. Aber bei 93 Cent für den Liter möchte ich mich nicht beschweren und der große Tank ist wieder gut gefüllt so das wir wieder eine weile fahren können. Den heutigen Übernachtungsplatz müssen wir ein wenig suchen aber nach einer Weile finden wir ein schönes Fleckchen am Fluss Daugava unmittelbar oberhalb einer Staustufe mit Wasserkraftwerk. Der Fluss selbst ist recht sauber und das Wasser angenehm warm so das ich es mir nicht nehmen lasse noch ein bisschen baden zu gehen bevor wir den Tag endgültig ausklingen lassen.


Komisch wie das immer so ist, da sucht man abends einen Platz, fährt zich Kilometer und findet einfach nichts und am nächsten morgen fährt man weiter und findet nach nicht einmal 10 Kilometern einen schönen Platz am anderen. Sogar mit See und Feuerstelle. Naja jetzt weiß ich wo die schönen Stellen sind und hab sie mir gleich ins Navi eingespeichert, so. Das Wetter ist wieder Traumhaft schön und so fahren wir über Stock und Stein nach Siauliai welches wir am frühen Nachmittag erreichen. Ja, die Pisten durch die Natur und die kleinen Dörfer sind zwar schön und lassen sich mit entsprechend niedrigem Reifendruck recht gut fahren, jedoch benötigen wir dabei doch etwas mehr Zeit als auf normalen Straßen. Das macht aber nichts solange die Mädels irgendetwas zu spielen haben. Schlimmer wird es bei langer Weile welche bei längeren Etappen aufkommen kann, da hilft dann nur noch irgendetwas zum anschauen zu suchen. So wie hier in diesem etwas größerem Städtchen welches sich auf unserem Weg befindet. Wir parken am Stadtrand an einem Baumarkt und laufen mal in Richtung Stadt, mal sehen was uns erwartet. Zu beginn sieht es hier teilweise aus als ist die Rote Armee erst vor kurzem abgezogen doch das ändert mehr und mehr umso weiter wir in die Innenstadt gelangen. Hier geht es langsam Bergauf aber die Architektur ist dennoch sehr gewöhnungsbedürftig. Nach einiger Zeit gelangen wir an einen See mit einigen Freizeitartaktionen, einem großen Spielplatz und natürlich einem Eiswagen. Direkt daneben befindet sich noch ein großes Mahnmal zum gedenken an die heroischen Taten der Roten Armee. Naja ist halt übriggeblieben und steht jetzt da.

Um den See führt ein schöner Rundweg mit etwa 6 km Länge welchen wir in ruhe bestreiten wollen. Nun wirkliche ruhe gibt es nur sehr wenig denn in unmittelbarer Nähe befindet sich ein Nato Fliegerhorst und die Jungs Trainieren schon den ganzen Nachmittag ihre Landeanflüge mit unterschiedlichen Kampf und Transportmaschinen. Ganz schön was los da am Himmel und das so nahe an der Russischen Grenze. Wer hier stärke zeigen möchte ist ganz klar, es sind nicht die Russen. So laufen wir im Lärm der Maschinen immer weiter um den See bis wir es nur noch etwa 2 km bis zu Man'i haben und genau da passiert es, es hat uns ein Gewitter mit Sintflutartigen Regen eingeholt. Gott sei dank steht genau hier am oberen ende des Sees eine Tankstelle wo wir uns für die nächste Stunde unterstellen können, das musste ja jetzt wieder sein.

Es hat aufgehört und die Sonne ist auch schon wieder zu sehen, so gehen wir das letzte Stück zurück zu Man'i. Nur einige Meter weiter ist ein Lidl Markt und eine Tankstelle wo der Diesel nur 88 Cent kostet und so beschließe ich noch schnell alles voll zu tanken was geht, denn noch günstiger wird es sicherlich nicht mehr werden. Hätte ich das mal gestern schon gewusst da hätte ich nicht soviel getankt gestern. Naja egal man macht es ja eh immer verkehrt. So tanke ich im beisein von Alina die alles genau überwacht, nicht das ich da noch was falsch mache und die andren beiden sind nochmal ne Kleinigkeit einkaufen gegangen in der Zeit.




Nachdem wir nun wieder vollständig sind fahren wir zum nur wenige Kilometer entfernten Berg der Kreuze und sind sofort überrascht wie groß dieser ist. Der Parkplatz ist recht überschaubar und in den Souvenirläden neben dem Infocenter wird jede menge Plunder an die Touristen feilgeboten. Auf der anderen Straßenseite geht es zu den Kreuzen. Auf dem weg dorthin passiert man unweigerlich ein recht großes frei stehendes Kreuz welches Papst Johannes Paul II am 07.09.1993 während einer Messe welche er selbst zelebrierte aufstellen lies.




Um die Entstehung des Hügels ranken sich mehrere Legenden so heißt es zum Beispiel das einst ein Vater schlief am Lager seiner kranken Tochter ein. Im Traum erschien ihm eine weiße Frauengestalt, die ihm aufgab, ein Kreuz auf dem Hügel aufzustellen. Der Mann tat, wie ihm von der Frauengestalt geheißen und stellte ein Kreuz auf eben jenem Hügel auf. Bei seiner Rückkehr nach Hause war seine Tochter wieder gesund.

So stellen auch heute unzählige Pilger ihre Kreuze auf dem Berg ab, häufig verbunden mit einem Wunsch oder Dank. Viel interessanter finde ich jedoch die Bedeutung des Hügels im 19. und 20. Jahrhundert welche ich euch nicht vorenthalten möchte. Wikipedia sei dank brauch ich das nur kopieren :-)

„Nach der dritten Polnischen Teilung wurde Litauen Teil des Russischen Reiches. In der Folgezeit rebellierten Polen und Litauer zweimal gegen die Russische Obrigkeit und zwar im Januaraufstand der Jahre 1830/31 sowie im 1863/64. Beide Aufstände gegen das zaristische Regime wurden blutig niedergeschlagen. Zu dieser Zeit sollen die Bewohner der Umgebung begonnen haben, auf dem Hügel Kreuze für ihre bei den Aufständen getöteten Angehörigen aufzustellen, von denen sie nicht wussten, wo sie begraben sind. Andere Quellen gehen davon aus, dass die Aufständischen auf dem Hügel hingerichtet wurden. 1900 standen 150 und 1940 etwa 400 Kreuze auf dem Hügel. Nachdem die Sowjetunion im Juni 1940 Litauen okkupiert hatte und 1940/1941 und erneut von 1945 bis 1953 mehr als 100.000 Litauer nach Sibirien deportiert wurden, nahm das Aufstellen der Kreuze ab. Als nach Stalins Tod 1953 die Überlebenden unter den Deportierten nach und nach aus Sibirien zurückkehrten, stellten sie sogleich Kreuze zur Erinnerung an die im Gulag Verstorbenen auf. Ebenso errichteten viele politisch Gefangene und Gläubige weitere Kreuze. Dadurch wurde zunehmend der litauische Wallfahrtsort zu einem politischen Symbol gegen die kommunistische Herrschaft der Sowjets in Litauen. Der Hügel war daher zunehmend ein Dorn im Auge des kommunistischen Regimes in Litauen, und am 16. Juni 1959 befasste sich erstmals das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Litauens mit dem Hügel. Es wurde beschlossen, den angeblich heiligen Ort zu zerstören. Eine erste Vernichtungsaktion fand am 5. April 1961 statt. Hierbei wurden die Kreuze mit Bulldozern niedergewalzt, 2179 Kreuze vom Hügel geholt und die Holzkreuze verbrannt. Eiserne Kreuze wurden zum Schrott gegeben, die Stein- und Betonkruzifixe zerschlagen, vergraben oder im nahe liegenden Bach versenkt. Doch bereits in der nächsten Nacht wurden neue Kreuze errichtet. 1973, 1974 und 1975 wurden diese Zerstörungsaktionen des Regimes wiederholt, jedoch blieb der Kreuzzug der Kommunisten gegen den Berg der Kreuze erfolglos, wodurch der Berg zunehmend zum Symbol des nationalen Widerstands wurde. 1990 soll es bereits 40.000 Kreuze auf dem Hügel gegeben haben. Zusätzlich stieg die Zahl der Kreuze als im Januar 1991 im Kampf um die nationale Unabhängigkeit Litauens vierzehn Menschen bei der Erstürmung des Fernsehturmes in Vilnius durch Sowjetische Truppen ihr Leben lassen mussten. Anfang der 1990er Jahre wurde von Studenten der Universität Vilnius ein Versuch unternommen, die Zahl der Kreuze, die sich inzwischen auf einer Fläche von einem Hektar neben dem Hügel ausbreiten zu bestimmen. Bei 50.000 Kreuzen haben sie zu zählen aufgehört. Nicht mit einbezogen wurden damals die kleinen Kreuzanhänger und Rosenkränze, die an größere Kreuze gehängt werden. Diese verstärken die mystische Stimmung des Ortes, wenn sie schon bei leichtem Wind aneinander schlagen und dabei ein leises Geläut bzw. Klappern von sich geben “




Dieser Ort hat halt eben seine eigene Magie und erfüllt einen mit Ehrfurcht auf jedem schritt und tritt. Wir nehmen uns viel Zeit um die ganzen Kreuze und auch kleine Grippen zu bestaunen. Mir gelingt das am besten durch die Kamera den ich habe das Zoom objektiv aufgesetzt. So kann ich auch viele kleine Details einfangen welche unter den unzähligen großen und kleinen Kreuzen verborgen sind. So vergehen fast zwei Stunden und wir sind immer noch überwältigt, doch nun wird es langsam zeit sich einen Schlafplatz zu suchen und so gehen wir langsam wieder zurück.

Das mit dem Schlafplatz erweist sich heute wiedermal besonders schwierig und so fahren wir von einem Waldweg zum nächsten ohne sichtlichen Erfolg. Irgendwie ist hier der Wurm drin. Nach etwa 40 km fahrt sind wir wieder ganz in der nähe des Berges und ich beschließe auf eine kleine Wiese direkt am Straßenrand zu fahren. Das Gras ist recht hoch und feucht doch es wird schon gehen für eine Nacht denke ich und baue das Zelt direkt unter dem hinteren Überhang von Man'i auf. So ist es von eventuell einsetzendem Regen geschützt und wir trampeln auch nicht zu viel Gras nieder. Zwar kommt nach einiger Zeit ein Bauer mit seinem Traktor vorbei aber dieser schaut nur kurz und fährt dann einfach weiter.

Nach dem Abendbrot, heute gibt es selbst gemachtes Hühnerschnitzel mit Brot, schaue ich aus dem Fenster und nehme Anja sofort bei der Hand. Die Mädels bekommen den Auftrag Aufzuwaschen und ich gehe mit Anja aufs Dach. Denn ich habe bereits aus dem Fenster gesehen das es ein schöner Sonnenuntergang werden muss. Diesen genießen wir beide Arm in Arm heute mal ganz in ruhe und allein denn dieses kam in den letzten Tagen doch etwas zu kurz.

In einem Reiseführer haben wir vor einigen Tagen etwas über ein Pferdemuseum gelesen welches weiter südlich gelegen sein soll und gleich beschlossen dieses zu besuchen. Nach wiedereinmal einer längeren und staubigen Fahrt über irgendwelche Pisten erreichen wir den Ort Niuronis wo sich dieses Museum befinden soll. Doch es stellt sich schnell heraus das das gesamte Dorf ein einziges Museum ist und somit schlendern wir nachdem wir unseren Obolus an Haus Nummer 1 entrichtet haben gemütlich von Haus zu Haus. In jedem einzelnem von Ihnen befindet sich irgendeine Ausstellung oder Werkstatt. Auch eine aktive Schmiede und eine Bäckerei gibt es hier zu bestaunen. Die Häuser welche teilweise mehrere Hundert Jahre alt sind wurden allesamt von Grund auf Restauriert und erstrahlen jetzt wieder in voller Schönheit. Es stehen auch viele Skulpturen und Schnitzereien aus Holz herum und wurden sogar in den Spielplatz mit integriert was nicht nur die kleinen Kinder erfreut. Besonders gefällt mir die Ausstellung über die Geschichte des Pferdes von seiner Entstehung bis hin zum Nutztier im letzten Jahrhundert. Sowie die Sammlung verschiedenster Kutschen und Schlitten.



Natürlich sind unsere beiden Mädels von den Pferden äußerst begeistert und freuen sich umso mehr das sie auch auf einem Reiten dürfen. Welches Mädchen kann da schon widerstehen. Ein kleines Restaurant mit einladender Terrasse haben wir vorhin auch schon entdeckt und da es bereits Mittag ist statten wir diesem natürlich einen Besuch ab und genießen so manche Leckereien. Im großen und ganzen kann ich sagen der Ausflug hierher hat sich gelohnt und ist für groß wie auch klein zu empfehlen.

Da wir die letzten Tage echt viel gefahren sind und jetzt nach dem tollen essen schlicht keine Lust mehr haben noch weiter zu fahren befragen wir die App ( park4night ) nach einem netten Stellplatz und siehe da. Nicht weit von hier befindet sich ein kleiner See mit Badestrand und Parkmöglichkeit. Also nichts wie hin und denn restlichen Nachmittag mit Baden und spielen ganz in ruhe genießen. Auch heute darf ein kleines Lagerfeuer nicht fehlen wenn es schon eine Feuerstelle gibt und so hole ich noch etwas Holz vom Man'i und bereite zwischendurch schon mal was vor. Da die FM II Kabine etwas schmäler als die Pritsche ist haben wir zwischen Container und Bordwand etwas platz. Diesen nutze ich seit einiger zeit als Lagerstätte für Brennholz damit wir auch wirklich immer etwas griffbereit haben. Das hat sich bis jetzt gut bewährt und ist recht praktisch wenn wie hier nur wenig bis gar kein Holz zur Verfügung steht. Denn das kleine Stückchen Wald hier ist wie ausgefegt.

Da mein Herz allerliebster Schatz ja gestern nochmal kurz in diesem Süddeutschen Schwarzmarkt ( Lidl ) war hat sie etwas mitgebracht womit sie mir eine Riesen Freude macht. Pudding, genauer gesagt Schokoladenpudding. Wisst ihr eigentlich wie schwer es ist hier im Baltikum Puddingpulver zu bekommen? Das ist schier unmöglich, aber jetzt nur ein paar Tage vor dem ende unserer Reise trifft Sie auf eben dieses Geschäft und kann meinem leiden ein ende bereiten. Danke Schatz du bist die beste, Jawohl.


Die Inselburg Trakai soll unser heutiges und zugleich letztes Ziel in Litauen sein. Doch zu aller erst heißt es mal aufstehen und schauen was das Wetter sagt. Also raus aus den Federn und eine kleine Kontrollrunde machen. Es sieht gut aus, flach über dem See spiegelt sich die aufgehende Sonne und vertreibt die letzten Nebelschwaden über dem Wasser. Es ist absolut still nur ein paar Angler in ihrem Boot etwas weiter hinten sind anwesend sonnst ist hier nichts und niemand. Einfach nur herrlich. Das nutze ich gleich aus und gehe etwas schwimmen in dem doch recht warmen Wasser. Nach und nach kommen auch Anja und die Mädels ins Wasser denn es gibt eigentlich nichts schöneres als nach dem Aufstehen ein Bad zu genießen, besonders in solch einer Umgebung.

So frisch gebadet geht es wieder an das tägliche Prozedere. Erst Frühstücken und dann in gewohnter Manier alles zusammen räumen und ordentlich verstauen für die Fahrt. Mittlerweile klappt das so gut das wir nur noch wenige Minuten dafür benötigen. Also auf nach Trakai.

In Trakai angekommen haben wir Glück und finden mitten in der Stadt einen Parkplatz. Das hab ich jetzt so nicht erwartet. Dieses hier ist natürlich eine Touristenhochburg und so wundert es nicht das sich hier ein Souvenir laden an den anderen reit. Doch Souvenirs wollen wir nicht, wir wollen zur Burg und so gehen wir durch ein schier unendliches Meer aus Plunder zu dieser romantischen Holzbrücke welche hinüber auf die Insel führt. Es ist noch recht wenig los und so müssen wir nicht lange an der Kasse anstehen und gelangen in den Burghof. Der Rundgang im unteren Bereich ist gut angelegt und strukturiert finde ich, so das man nirgends auf große Menschenansammlungen trifft und sich wirklich alles ungestört anschauen kann. Einige Schätze haben die hier schon, sogar Porzellan aus China ( kein Billigzeug ) und Meißen. Pfeifen aus Meerschaum, Elfenbein und Knochen. Sowie eine große Sammlung an Glas und Bleikristall kann man hier bestaunen.

Im oberen Bereich handeln die Ausstellungen mehr von der Geschichte der Burg und ihren Erbauern und Herren selbst. Doch auch diese sind recht interessant und so entdeckt Anja gleich wieder etwas was sie sich am liebsten mit nach Hause nehmen würde. Beziehungsweise in Man'i einbauen ;-) Langsam füllt sich die Burg mehr und mehr mit Bustouristen und wir beschließen diese zu verlassen, schließlich sind wir ja soweit durch. Um die Burg herum führen uns einige Wege wieder zurück zur Brücke an welcher einige Boote für Rundfahrten auf dem See bereitliegen und auf Kundschaft warten. Wir entscheiden uns für das eine welches komplett aus Holz besteht. Dieses scheint einfach am gemütlichsten zu sein und die Besatzung macht einen vernünftigeren Eindruck als so manch aufdringlicher Kapitän. Die Rundfahrt dauert etwa eine Stunde und ist recht romantisch, nur leider versteckt sich die Sonne immer mehr hinter dicken Wolken und es wird zunehmend Windiger. Am ende gelingen mir aber gerade durch die verdeckte Sonne einige richtig gute Fotos wie sie sonst nicht möglich gewesen wären.



Wieder an Land spazieren wir noch ein wenig am See entlang zu den Ruinen der zweiten Burg und weiter in die Altstadt. Auch hier beeindrucken uns wieder die vielen kleinen und in allen Farben bunt gestrichenen Holzhäuser mit ihren kleinen Gärten davor. Besonderes Prunkstück ist die Wallfahrtskirche welche auf einer kleinen Anhöhe steht. Von außen eher schlicht wirkend verbirgt sich im inneren ein wahrer Schatz. Fasst alles ist in Gold eingefasst und strahlt eine natürliche Lebendigkeit aus. An einem Seitenaufgang stoße ich auf eine Bronzefigur eines Herren welchen ich kenne. Ja der Johannes Paul II war auch schon mal hier, ist ganz schön rum gekommen der Mann.

Heute morgen hatten wir Man'i ja in der Stadt geparkt und wir stellen fest das sollten wir öfters so machen an solchen Touristenmagneten. Denn Man'i selbst entpuppt sich als gewisses Highlight und so wurden über den Tag hinweg sicherlich ganz viele Fotos gemacht und ich bin mir sicher auch so mancher hat ordentlich davor posiert.

An dieser stelle möchte ich mich aber bei all denjenigen herzlichst Bedanken die einen Teil Ihres Kleingeldes in unsere Klingelbüchse gespendet haben und somit den Erhalt unseres Zuhauses unterstützen.

Auch heute ist uns die App wieder eine große Hilfe und weist uns einen Platz auf einem Wanderparkplatz mitten im Wald nur wenige Minuten von der Burg entfernt mit einem kleinen Spielplatz welcher aus lauter Holzfiguren besteht. Das ist richtig schön hier, auch laufen könnte man hier sehr gut denn es gibt viele gut befestigte Wege. Nur leider herrscht hier eine solche Mückenplage das wir keinen Fuß mehr als nötig vor die Türe setzen. So verbringen wir den heutigen Abend mal drinnen mit Mensch Ärgere dich nicht und Co.

Wir verlassen heute Litauen und fahren weiter nach Polen, genauer gesagt ins etwa 150 km entfernte Augustow. Die Fahrt dahin dauert eigentlich gar nicht so lange denn auf den doch recht gut ausgebauten Straßen kommen wir zügig voran. Das ist kein Vergleich zu den Schotter und Sandpisten der letzten Tage und da wir mit überqueren der Grenze auch die Zeitzone wechseln gewinnen wir sogar noch eine Stunde zusätzlich. Während ich so fahre schaut Anja nach einem möglichen Parkplatz bei GoogleEarth und entdeckt kurz vor dem Stadtrand einen größeren See mit einigen Stränden und Parkplätzen und so beschließen wir dort einfach mal hin zu fahren. Die Straße wird langsam etwas eng denn hier Parken rechts und links überall Autos am Rand und ich habe so das Gefühl das wir hier wohl nur Rückwerts wieder raus kommen. Doch am vermeintlichen ende der Straße befindet sich eine Art Campingplatz stellen wir fest und für gerade einmal 30 Zloty können wir eine Nacht bleiben. Schlecht ist das hier nicht, wir parken am Waldrand und nur wenige Meter vor uns ist der Strand.

Da Augustow noch ein kleines Stück entfernt ist fahren wir wiedermal Fahrrad. Erst geht es durch den Wald über eine Sandstraße bis wir nach etwa 5 km auf einen gut Asphaltierten Radweg treffen. Und schon sind wir wieder mitten drin im Trubel den dieser Ort hier direkt am See scheint sehr beliebt als Naherholungsgebiet. Hier gibt es einen Hochseilgarten, Karussells, einen Spielplatz und einen Strand welcher leicht überfüllt erscheint. Ok es ist Wochenende und richtig gutes Wetter noch dazu. Das coolste sind aber ein paar Junge Leute welche mit ihrem eigens angefertigten Verkaufsfahrrad selbst gemachtes Eis verkaufen. Das ist so lecker das wir uns am liebsten gleich noch ein zweites gönnen würden. Während wir nun so dieses wunderbare Eis schlecken gehen wir langsam immer weiter und gelangen nach einiger Zeit in die Stadt wo ein reger Menschenauflauf herrscht. Hier sind wir mit unseren Fahrrädern doch etwas fehl am Platze den ein durchkommen ist an manchen Stellen kaum mehr möglich. Aber was wollen die ganzen Leute eigentlich hier? Außer einer Promenade und nem Fluss hat es hier ja nicht viel.

Doch auf einmal macht es Wroooommm und da saust auch schon irgendetwas auf dem Wasser an uns vorbei und die Menge jubelt. Was war das? Es stellt sich schnell heraus das hier die Wasserski Weitsprung Meisterschaften stattfinden und die ganze Stadt diesem Spektakel beiwohnen möchte. Wir schauen uns einige Sprünge an bis wir langsam das weite suchen denn uns ist das einfach zu viel Trubel. Die Radwege hier sind gut ausgebaut und beschildert so das wir ohne weiteres wieder einen Weg zurück finden und noch einigen Sportbooten von der Brücke aus beim Schleusen zusehen können bevor wir wieder auf dem Campingplatz ankommen.


Unsere Mädels wollten ja den ganzen Urlaub schon einmal Tretboot fahren und nun endlich hier haben sie die Möglichkeit. So nehmen ich und Anja uns ein kühles Bier aus dem Kühlschrank mit und lassen uns von den beiden auf den See fahren. Zum Anfang geht das nicht ganz so gut denn irgendwie fährt das Ding immer im Kreis, aber mit einer etwas anderen Gewichtsverteilung funktioniert es ganz gut. Aber wie das mit der Jugend so ist verlässt sie recht schnell die kraft und die Lust und die alten müssen wieder ran. Und so treten jetzt Anja und ich kräftig in die Pedalen um wieder an Land zukommen. So vergeht die Zeit und es geht langsam wieder auf den Abend zu. Ich entfache wieder ein kleines Feuer und nachdem eine ordentliche Glut entstanden ist werfen wir einige Folienkartoffeln hinein. Diese brauchen etwa eine Stunde dann sind sie durch und können zusammen mit etwas Quark und Zaziki auf den Tisch. Das ist einfach nur einfach und absolut lecker. Dazu noch ein Glas Rotwein und die Welt ist in Ordnung. Bis morgen also, gute Nacht.


So gut war die Nacht nun doch nicht denn nebenan hat die Jugend kräftig gefeiert oder besser feiert immer noch und so wurden wir immer wieder etwas unsanft geweckt. Aber was soll's wir gönnen ihnen ja ihren Spaß schließlich waren wir auch mal jung. Heute steht eigentlich nur fahren auf dem Plan denn langsam aber sicher müssen wir doch Richtung Heimat weiter ziehen.

Ein Ziel haben wir allerdings noch auf der Liste und das liegt recht gut auf unserem Weg. Die Stadt Torun hat es uns noch angetan und die ist nach meiner Planung etwa 380 km entfernt. Ok ich hab mir erlaubt das Navi auf Fahrrad einzustellen. Das solltet ihr auch mal ausprobieren, da fährt man garantiert keine Schnellstraßen und Autobahnen. Nur hin und wieder muss man etwas aufpassen und improvisieren wenn das Navi die Straße verlässt. Aber mit nem Tablet und LocusMap funktioniert das eigentlich ganz gut ohne das man in irgendwelche Sackgassen oder Innenstädte einfährt. So fahren wir jetzt Querfeldpampa durch Polen und genießen die vorbei ziehende Landschaft und Anja hat gleich wieder die schönen Wegkreuze entdeckt. Das Wetter wird jedoch zunehmend schlechter und es Regnet zum teil sogar recht stark so das das fahren irgendwann keinen echten Spaß mehr macht. Zudem muss ich höllisch aufpassen das ich nicht irgendwo unverhofft jemanden vor den Man'i bekomme den heute ist Sonntag und so manchem Zeitgenossen scheint der Frühschoppen nach dem Kirchgang nicht wirklich bekommen zu sein. Selbst im Wald stand plötzlich einer auf der Straße und versuchte eben diese festzuhalten. Das freut jedoch die Kinder ungemein denn wenn jemand so durch die Welt torkelt sieht das schon lustig aus.


Nach fast 7 Stunden erreichen wir endlich und doch etwas erschöpft Torun und versuchen den Campingplatz welchen wir via Internet auserwählt haben zu erreichen aber irgendwie klappt das nicht so wie gedacht denn die vielen Brücken sind alle etwas zu niedrig für uns. So suche ich eine Alternative und irre fast eine halbe Stunde leicht genervt durch die Stadt bis wir schlussendlich doch den Platz erreichen. Nun stehen wir da und sind sichtlich kaputt und haben keine lust mehr für irgendwas zudem ist das Wetter auch recht unangenehm, es Regnet wenigstens nicht mehr. Die Kinder finden gleich ein paar andere Kinder zum spielen und deren Eltern kommen gleich auf einen kurzen Besuch vorbei und sind hellauf von Man'i und unserer bisherigen Reise begeistert. So sitzen wir noch etwas beisammen gehen mal wieder Duschen und dann auch schon recht zeitig ins Bett.

Es soll hier ganz in der nähe eine kleine Fähre über den Fluss geben und genau diese wollen wir nach dem Frühstück aufsuchen. Jetzt sitzen wir am Anleger und von der Fähre ist weit und breit nichts zu sehen. Auch andere Leute wollen mit uns übersetzten uns so ruft einer von ihnen kurzerhand den Fährmann an wo er denn steckt. Die ernüchternde Antwort lautet das er nicht kommt da der Fluss zu wenig Wasser hat. Sowas blödes aber auch, jetzt heißt es auf die andere Seite laufen und das ist ein Stück, wenigstens ist heute wieder schönes Wetter. So laufen wir nun in die Altstadt und genießen das Panorama von der Brücke aus. Die Altstadt ist einfach Traumhaft, unzählige Kirchen eine schöner als die andere, viele kleine Gassen mit ihren Caffe's und Museen, und und ach überhaupt. Wir verbringen jetzt schon den ganzen Tag in der Stadt und sind noch immer voller Begeisterung nur langsam meldet sich der kleine Hunger und so steuern wir das nächst beste Restaurant an. Ein Mexikanisches haben wir gefunden und nehmen auf der Terrasse platz. Die Karte verspricht viele Leckereien und so bestellen wir uns neben einigen Kleinigkeiten eine Fleischplatte für vier. Das bekommen wir weg denke ich. Man ist das ein Berg den die hier anbringen aber wir sind guter dinge und lassen es uns munden. Geschmeckt hat das ganze echt super und ja wir haben es geschafft. OK ich musste für den Rest herhalten aber übrig blieb nichts. So vollgefress... , Satt gehen wir weiter und bestaunen noch den Rest der Stadt. Hier haben sie auch einen Eisstand am anderen und so ein Eis oder zwei gehen ja bekanntlich immer rein und so füllen sich unsere Mägen immer und immer mehr bis wir schlussendlich denn Rückmarsch antreten. Torun ist neben Krakau und Danzig eine der schönsten und besten erhaltenen Städte Polens und sollte unbedingt mit auf dem Plan stehen wen ihr hier mal vorbei kommt, Ihr werdet es ganz bestimmt nicht bereuen. So geht es wieder zurück über die Brücke zum Campingplatz wo alle total geschafft in ihre Stühle sacken. Auf meine Frage was wir heute zum Abendbrot machen bekomme ich nur unschöne Blicke als Antwort. Also trinke ich halt ein Bier wenn es nichts zu essen gibt ;-) Die Mädels spielen noch bissel auf dem Spielplatz und ich und Anja genießen mit einer gewissen schwere den Abend.



Heute regnet es wieder aber naja was soll's wir sitzen ja eh nur im Auto und da ist es ja trocken. Nach einem halben Tag fahrt über Schnellstraßen und Autobahnen, ja heute soll es mal etwas schneller gehen, erreichen wir den Platz wo alles begann. Genau diesen schönen Platz am See wo wir uns vor vier ein halb Wochen mit unseren Freunden Jens, Susan und Steven getroffen haben. Und genau hier geht unsere Reise leider auch zu ende den morgen sind wir bereits wieder zuhause und der Alltag beginnt wieder wie gewohnt. Heute haben wir aber noch Urlaub und den genießen wir bis zum Schluss, Jawohl. So gehen wir jetzt noch einmal um den See, nur diesmal in umgekehrter Richtung und machen wieder einen Stopp an der Imbissbude wo es ein Eis gibt. Ach so es regnet seit einiger zeit nicht mehr so das wir recht trocken wieder bei Man'i ankommen. Jetzt heißt es zum letzten mal das Zelt aufbauen und die Matratzen aufpumpen. Bei Man'i noch einmal das Öl kontrollieren und schauen ob auch so alles in Ordnung ist. Meine drei Frauen sind in der zwischen zeit noch einmal in den Wald gegangen und kommen wenig später mit einem Eimer voll Pilzen zurück. Diese machen wir uns heute zum Abendessen zusammen mit dem restlichen Fleisch was wir noch haben. Nun sitzen wir zwar gut gestärkt aber dennoch traurig zusammen und genießen den letzten Abend der Reise.



Über den heutigen Tag gibt es und möchte ich auch nichts weiter schreiben denn was zu ende ist ist zu ende und Schluss und aus und überhaupt.

In diesem Sinne, bis neulich und vielleicht sieht man sich ja irgendwo einmal. Dann kommt doch mal rüber, habt keine Angst und sprecht uns einfach an.

Euer Mirko

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